Modelle des Verstehens und der Orientierung
Im systemischen Denken spiegeln sich die in Strukturen, Prozessen und im individuellen Denken und Handeln des Mitarbeiters verborgenen Werte im Dreieck des Vertrauens, der Ordnung und des Wissens.
Vertrauen ist unerlässlich für ein gutes Miteinanderarbeiten. Das Wissen, das jeder einzelne ins Unternehmen bringt, und dessen Würdigung ist Basis für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens. Zum dritten braucht es Ordnung in Gestalt transparenter Strukturen und Prozesse.
Diese drei Eckpunkte sind wiederum Basis des fünfstufigen Modells des Erkennens von Werten und Förderungswertem im Unternehmen. Im systemischen Verständnis setzt jede Entwicklung, ob Organisationsentwicklung, Entwicklung von Teamkompetenzen oder Stärkung der Führungskraft bei diesen Prinzipien bzw. Verständnisebenen an. Nicht die Diagnose des Mangels steht hier im Fokus des miteinander Arbeitens und sich Annäherns, sondern die schrittweise wachsende Anerkennung, Wertschätzung und Würdigung dessen, was der oder das andere ist und zum gemeinsam Wachsenden beiträgt. Der Andere kann das (potentielle) Partnerunternehmen sein, Mitarbeiter, Kollegen, Vorgesetzte aber auch Strukturen und Prozesse.
Ebene 0: Das Grundprinzip der Nichtleugnung
Es ist zutiefst menschlich, Dinge nicht wahrhaben zu wollen oder zu leugnen, die einem nicht angenehm sind. Das kann den gegenwärtigen Zustand des Unternehmens betreffen.
Ebene 1: Das Recht auf Zugehörigkeit
„Meine Firma ist mein zweites Zuhause“, dieses Empfinden ist Indiz für Mitarbeiter, die wirklich gern zur Arbeit gehen, weil sie sich dort angenommen und in ihrem Können geschätzt fühlen. Jeder Mitarbeiter, der seinem Unternehmen gut und gern dient, hat dieses Recht auf Zugehörigkeit.
Eine besondere Note erhält das Recht auf Zugehörigkeit, wenn wir es am Beispiel des Unternehmensgründers durchdenken. Der Gründer eines Unternehmens hinterlässt Spuren, dies zu würdigen kennzeichnet im systemischen Verständnis der Bogen von der Vergangenheit über die Gegenwart zur Zukunft.
Ebene 2: Die Anerkennung der zeitlichen Reihenfolge
Eine junge Führungskraft hat neu in der Firma begonnen und will nun beweisen, wie innovativ sie das Unternehmen voranbringt; alles Alte wird als überholt und nicht mehr wertvoll abgeschafft, etwa gewachsene Prozesse des miteinander Arbeitens. Diese Führungskraft wird nach kürzester Zeit einer Mauer der Abwehr, der Angst und des Schweigens gegenüberstehen. Auch hier geht es um Würdigung und Wertschätzung dessen, was war und was ist. Wie es gelingen kann, das Alte mit dem Neuen zu versöhnen, kann Teil eines Führungskräfte-Coachings oder auch eines Workshops sein, etwa für die Entwicklung des Teams.
Ebene 3: Die Berücksichtigung von Einsatz und Hierarchie der Verantwortung
In jedem Unternehmen gibt es das Bedürfnis nach Anerkennung bestimmter Leistungen, die einer erbracht hat. Ebenso sehnen sich Menschen nach klaren Strukturen, nach der Zuordnung, wer ist für was verantwortlich und in welchem Umfang. Hierarchien sind ein Abbild solcher Strukturen, mit denen Menschen Transparenz erreichen wollen. Dann müssen Hierarchien aber auch sachgerecht und verantwortungsvoll wahrgenommen werden. Das Aufdecken von Schieflagen und mangelnder Würdigung anderer als auch eigener Aufgabengebiete kann beispielsweise gut in einem Workshop bearbeitet werden.
Ebene 4: Der Vorrang höherer Leistungen und Fähigkeiten
Das vom Team A mit viel Engagement vorangetriebene neue Reporting für die Konzernzentrale wurde sehr erfolgreich präsentiert. Der Vertreter von Team A im Board-Meeting stellt es jedoch als seine eigene Arbeit vor. Die Mitglieder des Teams und dessen Führungskraft sind zutiefst verletzt. Eines aber wissen sie jetzt: Es wird sich nie wieder für diesen Kollegen engagieren. Eine solche Missachtung und Ausnutzung von Kollegenleistungen und -fähigkeiten kann die gesamte Arbeitsatmosphäre vergiften. Das Team A wird seinem Unmut unter Kollegen Luft machen. Zudem wissen etliche Kollegen, dass das neue Reporting allein eine Schöpfung des Teams A ist. Das verlorene Vertrauen in diesen Kollegen lässt sich nun nicht wiederherstellen. Als Konsequenz der Verletzung dieser Prinzip-Ebene ist im besten Fall eine unbefangene Haltung und im schlimmsten Fall eine „Arbeit nach Vorschrift” zu erwarten.
Meta-Ebene 5 (Rangfolge, Ausgleich und Zeit):
- Die Rangfolge systemischer Grundprinzipien
Die verschiedenen Verständnisebenen der Wertschätzung sind bewusst so angeordnet. Sie bauen aufeinander auf. Dies wird ganz deutlich, wenn man die umgekehrte Perspektive der Missachtung einnimmt: Ein Unternehmen wird kaum herausragende Leistungen (Ebene 4) von seinen Mitarbeitern erwarten können, wenn es deren Einsatz (Ebene 3) nicht wertschätzt.
- Der Ausgleich zwischen Geben und Nehmen
Geben und Nehmen kann sich in sehr vielen Varianten zeigen, wichtig ist immer die Balance, die auch ein Zeichen von Wertschätzung ist.
Den Bogen spannen von der Vergangenheit über die Gegenwart zur Zukunft
Ob es um die Stärkung von Führungskraft geht, um das Entwickeln von Teamkompetenzen: Je bewusster sich die Handelnden des Bogens Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft sind, desto stabiler ist das Fundament des Vorhabens.
- Was bringen wir aus der Vergangenheit mit?
- Wie gestalten wir unsere Gegenwart?
- Was soll die Zukunft uns bringen?
Niemand kann Zukunft vorhersagen; wir können aber Grundlagen schaffen, um Zukunft zu planen und ein Stück weit auch zu gestalten.
- Zu diesen Grundlagen gehört die Vision; die Menschheit wäre in ihrer Entwicklung nicht dort, wo sie jetzt ist, wenn nicht Visionäre bisher Undenkbares denkbar gemacht hätten, etwa dass die Erde keine Scheibe, sondern eine Kugel und Teil unseres Sonnensystems ist, oder dass der Mensch die Schwerkraft überwinden kann.
- Die Vision verleiht Gedanken Flügeln; dann aber ist wieder die Erdung erforderlich; der erwünschte Zustand bewegt sich bereits wieder im Rahmen des aktuell Vorstellbaren;
ganz bodenständig wird die Zukunftsplanung dann mit der Bestimmung des naheliegenden Ziels. Dieses ist realisierbar und bietet nun den Boden, um von dort aus möglicherweise zum erwünschten Zustand zu gelangen und vielleicht eines Tages sogar die Vision mit Leben zu erfüllen.
